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Es bleibt bei einer lückenhaften Absicherung

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Als Folge unzureichender Absicherung stehen Empfänger einer Rente wegen Erwerbsminderung häufig am Rande der Armut. Foto: johnmerlin; fotolia

Wer aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr arbeiten kann, hat möglicherweise Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente. Deren Höhe ist allerdings gering, zumal Betroffene oft nur die halbe Rente erhalten und Abschläge hinnehmen müssen. Durch eine Anhebung der Zurechnungszeit sollen künftige Rentner nun höhere Leistungen erhalten. Menschen, die bereits eine Erwerbsminderungsrente beziehen, bleiben von den Verbesserungen jedoch ausgenommen.

Das Beunruhigende ist, dass sie jeden treffen kann, unabhängig vom Alter oder vom gewählten Beruf: Erwerbsunfähigkeit. Plötzlich ist man nicht mehr in der Lage, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, seine Familie zu ernähren.

Rente gibt es nur unter bestimmten Bedingungen

Unterstützung bietet in derartigen Fällen die gesetzliche Rentenversicherung. Zu den Voraussetzungen für die Gewährung einer Rente gehört unter anderem, dass zuvor über mindestens fünf Jahre hinweg Beiträge gezahlt wurden. Außerdem müssen Betroffene so stark eingeschränkt sein, dass sie höchstens noch sechs Stunden am Tag arbeiten können. Wer die volle Rente wegen Erwerbsminderung erhalten möchte, darf sogar nur noch zu höchstens drei Stunden täglicher Arbeit in der Lage sein.

Zusätzliche Abschläge erhöhen Armutsrisiko

Über die Höhe der Rente sollte man sich jedoch keine falschen Vorstellungen machen. Nicht selten liegt der Betrag deutlich unter einem Drittel des letzten Bruttogehalts.

Doch damit nicht genug: Für jeden Monat, den die Rente vor der maßgeblichen Altersgrenze in Anspruch genommen wird, fallen Abschläge an. Diese können sich auf bis zu 10,8 Prozent summieren. Selbst bei voller Erwerbsminderung lag die durchschnittliche Rente zuletzt nur bei rund 672 Euro. Ein hoher Anteil der Menschen war somit zusätzlich auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen.

Wiederholt hat der SoVD auf das hohe Armutsrisiko durch Erwerbsminderung hingewiesen und die Bundesregierung zum Handeln gedrängt. Nun liegt dem Verband der Entwurf eines Gesetzes vor, mit dem die Leistungen bei Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit verbessert werden sollen.

Bestandsrentner profitieren nicht von Verbesserungen

So soll etwa die sogenannte Zurechnungszeit von 62 auf 65 Jahre angehoben werden. Das bedeutet, dass Bezieher einer Rente wegen Erwerbsminderung so gestellt werden, als ob sie bis zu ihrem 65. Lebensjahr gearbeitet hätten. Allerdings soll diese Umstellung erst 2018 beginnen und sich stufenweise bis ins Jahr 2024 verteilen. Dringend benötigte Verbesserungen werden somit also nicht sofort, sondern nur „tröpfchenweise“ gewährt.

Für den SoVD nicht hinnehmbar ist es aber, dass diese Entlastungen allein künftigen Beziehern zugute kommen sollen, wer bereits eine Erwerbsminderungsrente erhält, geht leer aus. Für eine Korrektur dieser Ungleichbehandlung und für eine Abschaffung der Abschläge wird der SoVD daher weiterhin streiten. Denn ob Bestand oder Neuzugang: Die Problemlagen erwerbsgeminderter Menschen unterscheiden sich nicht. Wer Armut bekämpfen will, sollte hier für eine Gleichstellung sorgen.

Zur Ausgabe 2017 der SoVD-Zeitung




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