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Basis der Altersversorgung stärken

Hier die Beschreibung des Bildes

Rund 180 Teilnehmende diskutierten bei der 13. Frauen-Alterssicherungskonferenz über eine gerechtere Verteilung der Chancen für eine Rente, mit der auch Frauen im Alter leben können. Foto: Wolfgang Borrs

Kurz vor den Bundestagswahlen nutzte das „Frauenbündnis gegen Altersarmut“ die Chance, Frauen in dieser existentiellen Frage eine Stimme zu geben. Unter dem Motto: „Die Rente ist sicher. Zu niedrig“ diskutierten rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Räumen der ver.di-Bundesverwaltung in Berlin Strategien zur Bekämpfung des drohenden Massenphänomens. Mitveranstalter der 13. Alterssicherungskonferenz war erneut der SoVD. Mehrere Fachvorträge sowie Positionen der Bundestagsfraktionen, die von Parteivertreterinnen und -vertretern vorgetragen wurden, bildeten die Grundlage der Debatte. Dabei wurden als Hauptursachen für Altersarmut einmal mehr die gravierenden Veränderungen in der Renten- und Arbeitsmarktpolitik sowie der Anstieg der Minijobs auf mittlerweile über sieben Millionen ausgemacht.

In der Rentenpolitik hat sich in der letzten Legislaturperiode mehr bewegt als viele Jahre zuvor. Darüber war man sich im Forum einig. Doch ebenso groß ist der Handlungsbedarf für Gegenwart und Zukunft.

Alterssicherung beginnt schon in der Kita

„Alterssicherung ist keine Frage, die erst mit 63 oder 65 ansteht“, sagte Gabriele Lösekrug-Möller, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministeriun für Arbeit und Soziales, die in Vertretung von Noch-Ministerin Andrea Nahles (SPD) die Hauptrede hielt.

„Wie wir im Alter leben und wie wir abgesichert sind, das entscheidet sich viel früher, mit Krippe, Kita und mit dem Schulstart. Und es entscheidet sich ein Leben lang daran, wie wir arbeiten, wie wir die Arbeit in Beruf und Familie aufteilen und wie wir beides miteinander vereinbaren können“, führte Lösekrug-Möller weiter aus.

Alterssicherungschancen gerecht verteilen

„Arbeit ist die Basis unserer Altersversorgung! Die Chancen, sich durch Arbeit eine gute Alterssicherung aufzubauen, müssen gerecht zwischen Männern und Frauen verteilt sein“, unterstrich die Staatssekretärin die seit Langem vertretene Forderung des Frauenbündnisses gegen Altersarmut, in dem auch der SoVD Mitglied ist. Dabei verwies sie auf entsprechende Fakten und Zahlen, die auf den Plan rufen.

So haben zwar mittlerweile rund drei Viertel aller Frauen zwischen 20 und 65 Jahren eine Arbeitsstelle und damit die höchste Erwerbstätigkeit in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch weibliche Erwerbstä tige haben weiterhin geringere Einkommen – weil sie öfter in schlecht bezahlten Branchen arbeiten wie im Einzelhandel, im Hotel- und Gaststättengewerbe oder in der Pflege und in sozialen Berufen.

Hinzu kommt, dass das Einkommen, das Frauen häufig in prekären Beschäftigungsformen erwirtschaften – sei es in schlecht bezahlten Jobs, im Rahmen von befristeten oder Teilzeitverträgen – oft die einzige Einnahmequelle der Familie ist. Das trifft insbesondere für die wachsende Personengruppe der Alleinerziehenden zu.

Zeit für ein Rückkehrrecht auf Vollzeitbeschäftigung

Davon unabhängig werden Frauen – mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von 16 Euro brutto in der Stunde – für ihre Arbeit nach wie vor rund 21 Prozent schlechter entlohnt als Männer. Als einen weiteren Missstand zum Nachteil erwerbstätiger Frauen benannte die Staatssekretärin den „steckengebliebenen“ Regierungsentwurf zum Rückkehrrecht in Vollzeit. „Es ist wirklich Zeit dafür!“

„Wir müssen feststellen, dass Frauen nach wie vor schlechter dastehen als Männer. Eine faktische Gleichstellung zwischen Männern und Frauen ist sowohl bei den Löhnen als auch bei der Rentenhöhe noch lange nicht erreicht“, kritisierte auch Edda Schliepack, SoVD-Bundesfrauensprecherin und -Präsidiumsmitglied.

Seit Jahren werde vor der demografischen Katastrophe gewarnt, das Stichwort Altersarmut sei aktuell in aller Munde, machte Schliepack deutlich. „Angeblich sind die Jungen die Betrogenen, wenn es um die Rente der Älteren geht. Ein fataler Irrtum. Wir setzen uns mit voller Kraft dafür ein, zu einer Versachlichung beizutragen und auf Lösungen hinzuwirken. Deshalb haben wir die bundesweite Rentenkampagne ‚Lieber NICHT arm dran‘ gestartet.“

Zahl der Empfängerinnen von Grundsicherung steigt

Mit Sorge zeigte die SoVD-Bundesfrauensprecherin auf, dass sich die Zahl der Menschen, die zur Sicherung ihres Existenzminimums Leistungen der Grundsicherung im Alter beziehen, in den Jahren 2003 bis 2014 auf über 512.000 Personen fast verdoppelt hat. Betroffen sind hiervon in überdurchschnittlichem Maße Frauen, vor allem infolge häufiger Unterbrechungen ihres Erwerbslebens für die Familientätigkeit und infolge geringerer Löhne.

Die Frauen im SoVD forderten deshalb seit Jahrzehnten eine Politik, die sich konsequent und effektiv für die eigenständige existenzielle und soziale Sicherung von Frauen einsetze, so Schliepack (siehe auch SoVD-Forderungen am Ende des Textes). „Es ist wichtig, dass wir Frauen uns in Netzwerken bewegen – so können wir erfolgreich sein, Informationen erhalten, Erfolge austauschen und gemeinsam Ideen umsetzen.“

Erwerbsverläufe aus der Perspektive von Frauen

Im Anschluss hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, Fragen zu stellen und ihre eigenen Einschätzungen darzulegen. Die Fragerunde wurde von Karin Schwendler, Leiterin des Bereichs Frauen- und Gleichstellungspolitik bei ver.di, moderiert.

In der zweiten Konferenzhälfte machten ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger und Kolleginnen aus dem „Frauenbündnis gegen Altersarmut“ verschiedene Erwerbsverläufe aus der Perspektive von Frauen zum Thema. Daniela Ruhe (Deutscher Landfrauenverband) und Miriam Hoheisel (Verband alleinerziehender Mütter und Väter) berichteten eindringlich aus dem Praxisalltag.

Kontroverse Diskussion der Parteipositionen

Zum Abschluss diskutierten die Teilnehmenden kontrovers die Positionen der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien. Diese wurden von Karl Schiewerling (CDU/CSU), Daniela Kolbe (SPD), Ulle Schauws (Bündnis 90/Die Grünen) und Cornelia Möhring (Die Linke) auf dem Podium vorgetragen.

Maßnahmen gegen Armut im Alter

Nach Einschätzung des SoVD, von Gewerkschaften und zahlreichen anderen Organisationen wird sich die Altersarmut dramatisch ausweiten – wenn nicht umgehend Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Der SoVD verlangt deshalb weiterhin eine klare Kurskorrektur. Forderungen zur Wiederherstellung des arbeits- und sozialrechtlichen Schutzes der Arbeitnehmerinnen und -nehmer auf dem Arbeitsmarkt stehen dabei im Mittelpunkt. Die drei Kernpositionen des Verbandes sind: 

  • Ausbau von Beitragszahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung in der Erwerbsphase – zum Beispiel durch eine Einschränkung prekärer Beschäftigungsformen wie Minijob und Leiharbeit.
  • Ergänzende Regelungen im Rentenrecht, um der Gefahr von Altersarmut für Rentnerinnen und Rentner sowie für rentennahe Jahrgänge zu begegnen. Dadurch ist eine Aufwertung von in der Vergangenheit liegenden Zeiten der Niedriglohnbeschäftigung und der Langzeitarbeitslosigkeit möglich.

  • Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner. Denn für sie ist das Risiko von Altersarmut besonders hoch, obwohl die Rente aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht freiwillig in Anspruch genommen wird.
  • Abschaffung der systemwidrigen Abschläge bei den Erwerbsminderungsrenten.

Info:

Ist Altersarmut auch für mich ein Thema? Auf der Internet-Plattform check.sovd.de stellt der SoVD zur Klärung dieser wichtigen Frage einen kostenlosen Online-Selbsttest zur Verfügung. Das neue Service-Angebot im Netz hilft Online-Nutzerinnen und -Nutzern praktisch und schnell, ihr persönliches Altersarmutsrisiko einzuschätzen.

Zur Ausgabe Oktober 2017 der SoVD-Zeitung




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